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Krisenkommunikation international: Prägt Kultur den Umgang mit Krisen?

Written by Sarah Grill

21 August 2025

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Wir haben Führungskräfte unter anderem in den USA, UK, Deutschland und Australien hinsichtlich Krisenkommunikation befragt. Die Ergebnisse zeigen nicht nur Zahlen, sondern indirekt auch unterschiedliche Denkmuster im Umgang mit Krisen.

Ein Shitstorm kennt keine Grenzen – aber der Umgang damit schon, wie unsere aktuelle Studie in Zusammenarbeit mit Arlington Research zeigt [1]. Nur 9 Prozent der Senior Decision-Maker weltweit sehen Krisenkommunikation 2025 unter den Top drei Prioritäten. In Deutschland sind es 25 Prozent, in den USA und UK jeweils 6 Prozent, Australien liegt bei 9 Prozent. Aber woraus ergeben sich die Unterschiede? Vor allem in Bezug auf Deutschland? Meiner Meinung nach spiegeln diese Unterschiede nicht nur Marktbedingungen, sondern auch kulturelle Mentalitäten wider.

Deutschland: Die Ingenieursmentalität in der Kommunikation?

Unternehmen in Deutschland scheinen dazu zu neigen, Risiken im Voraus zu kalkulieren – ähnlich wie beim Bau eines Produkts, bei dem jedes Bauteil getestet wird. Die hohe Priorität von Krisenkommunikation (25 Prozent) dürfte mit diesem Sicherheitsdenken zusammenhängen. Hinzu kommt eine kritische Medienlandschaft und strenge regulatorische Vorgaben. Krisenprävention ist damit wohl hier oft fester Bestandteil der Markenpflege.

USA: Das Land der Comeback-Stories

In den USA gehören Skandale fast zum Alltag – und ebenso die Inszenierung des „Comebacks“. Es dürfte daran liegen, dass Krisenkommunikation hier oft als Chance zur Neupositionierung gesehen wird. Die niedrige Priorität (sechs Prozent) hängt meiner Meinung nach mit einem „We’ll handle it when it happens“-Ansatz zusammen. Reaktionsgeschwindigkeit und Sichtbarkeit sind oft wichtiger als langfristige Prävention – ein Ansatz, der funktionieren kann, aber im Ernstfall riskant ist.

UK: Die Kunst der kontrollierten Fassade

In Großbritannien scheint der Umgang mit Krisen stark von Zurückhaltung geprägt zu sein. „Keep calm and carry on“ – dieser Satz aus dem Zweiten Weltkrieg scheint noch immer die Kommunikationskultur zu prägen. Öffentlich Fehler einzugestehen fällt schwer, Krisenmanagement wird daher häufig intern gehalten und nicht als strategische Top-Priorität gesehen (sechs Prozent). Das kann souverän wirken, birgt aber das Risiko, dass fehlende Transparenz das Vertrauen schmälert.

Australien: Die „She’ll be right“-Mentalität

In Australien trifft man üblicherweise auf pragmatische Gelassenheit (remember meine Blog-Post zu weirden Australien-Fakten?). „She’ll be right“ (sinngemäß: „Wird schon gutgehen“) ist tief in der Kultur verankert. Krisenkommunikation (neun Prozent) wird ernst genommen, wenn sie akut ist, hat meiner Meinung nach aber selten den Stellenwert einer kontinuierlichen Kernaufgabe. Gerade in exportorientierten Branchen wie Rohstoffe oder Tourismus kann diese Haltung problematisch werden, wenn internationale Medien Druck machen.

Vorbereitung ist universell – und der Schlüssel für erfolgreiche Krisenkommunikation

Egal ob akribisch planend, gelassen abwartend oder auf Comebacks setzend – wer im Ernstfall keine klare Strategie hat, verliert wertvolle Zeit. Internationale Krisenkommunikation heißt: Die kulturellen Eigenheiten verstehen, aber die Grundlagen überall fest verankern.

Vier universelle Bausteine:

  1. Kulturelle Unterschiede kennen – Tonalität und Offenheit variieren stark.
  2. Szenarien testen – von der kleinen Produktpanne bis zum großen Skandal.
  3. Sprecher trainieren – passend zum Medienstil des jeweiligen Landes.
  4. Plan regelmäßig aktualisieren – Krisenkommunikation ist ein Prozess, kein Projekt.

Krisenkommunikation erscheint euch eine Mammutaufgabe? Oder ihr wisst nicht, wie ihr das Thema am Besten angeht? Ich helfe euch dabei – meldet euch!

 

 

[1] Die internationale Studie wurde im Dezember 2024 im Auftrag von Berkeley Kommunikation beziehungsweise der Berkeley Communications Group von Arlington Research durchgeführt. Hierfür wurden branchenübergreifend 950 führende Entscheidungsträger in Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden in den USA, Kanada, Argentinien, Deutschland, Großbritannien, Australien und Singapur befragt.

 

Bild von Alin Andersen auf Unsplash