PR-Handwerk
Nachhaltigkeit im Maschinenraum: Wie B2B-Unternehmen glaubwürdig kommunizieren
TL;DR: Nachhaltigkeitskommunikation ist längst kein reines Consumer-Thema mehr. Auch Robotik-, Automatisierungs-, IT- und Logistikunternehmen stehen zunehmend vor der Frage, wie sie den ökologischen Beitrag ihrer Produkte und Lösungen nachvollziehbar darstellen. Wer glaubwürdig kommunizieren will, sollte deshalb weniger auf grüne Schlagworte und stärker auf konkrete Daten, nachvollziehbare Vergleichswerte und den tatsächlichen Produktnutzen setzen.
Warum Nachhaltigkeit jetzt auch B2B betrifft
Nachhaltigkeit hat den B2B-Maschinenraum erreicht. Das zeigt sich nicht nur an regulatorischen Veränderungen, sondern auch daran, dass Kunden und Geschäftspartner zunehmend belastbare Informationen zu Umweltwirkungen und Nachhaltigkeitsleistungen erwarten.
Die EU hat den Anwendungsbereich der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) 2026 deutlich eingegrenzt. Nach der im Februar final gebilligten Reform fallen grundsätzlich nur noch Unternehmen unter die Berichtspflicht, die mehr als 1.000 Beschäftigte und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz haben. Viele mittelständische Maschinenbauer, Automatisierer, IT-Dienstleister oder Logistiker sind damit nicht unmittelbar berichtspflichtig.
Nachhaltigkeitsdaten können für sie trotzdem geschäftlich relevant sein. Bewertungsplattformen wie EcoVadis mit Profilen von rund drei Millionen Lieferanten spielen beispielsweise in Lieferanten- und Beschaffungsprozessen eine Rolle. Eine allgemeine Pflicht zur Teilnahme gibt es zwar nicht, doch Auftraggeber können entsprechende Bewertungen bei der Auswahl ihrer Zulieferer berücksichtigen. Die EU-Kommission hat zudem 2025 den freiwilligen VSME-Standard für KMU empfohlen, der Unternehmen dabei helfen soll, Nachhaltigkeitsanfragen strukturiert zu beantworten. Die CSRD verpflichtet also nicht automatisch jeden Zulieferer zur Berichterstattung – der Bedarf an belastbaren Daten kann trotzdem über Kunden und Lieferketten entstehen.
Die Greenwashing-Falle
Wie schnell Nachhaltigkeitskommunikation zum juristischen Problem werden kann, zeigt unter anderem der Fall dm. Das Landgericht Karlsruhe untersagte dem Drogeriemarkt 2023, mehrere Produkte auf der Verpackung als „klimaneutral“ beziehungsweise „umweltneutral“ zu bewerben. Beim „klimaneutral“-Claim beanstandete das Gericht unter anderem, dass wesentliche Informationen zum Verständnis des Begriffs fehlten – etwa dazu, welche Emissionen in die Bilanz einbezogen wurden und nach welchen Kriterien das verwendete ClimatePartner-Label vergeben wurde.
Der Bundesgerichtshof (BGH) formulierte 2024 grundsätzliche Anforderungen: Mehrdeutige Umweltbegriffe wie „klimaneutral“ müssen regelmäßig bereits in der Werbung selbst klar erläutert werden. Besonders relevant ist die Unterscheidung zwischen tatsächlicher Emissionsreduktion und nachträglicher Kompensation. Der BGH betont den Vorrang der Reduktion gegenüber der Kompensation.
Die praktische Lehre daraus ist auch für B2B-Unternehmen relevant: Je allgemeiner ein Umweltversprechen, desto genauer sollte nachvollziehbar sein, was dahintersteht. „Nachhaltig“ oder „grün“ sagt wenig aus. Eine Aussage wie „reduziert den Energieverbrauch im Betrieb um 30 Prozent gegenüber dem Vorgängermodell“ ist dagegen überprüfbar – sofern Vergleichsbasis und Messmethode transparent sind.
Was sich bei Umweltclaims ändert
Auch regulatorisch werden die Spielräume für pauschale Umweltversprechen enger. Die EU-Green-Claims-Richtlinie ist bislang nicht verabschiedet; das Gesetzgebungsverfahren ist weiterhin nicht abgeschlossen.
Konkreter ist die bereits beschlossene EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825, die seit dem 27. September 2026 anzuwenden ist und den Verbraucherschutz bei irreführenden Umweltangaben verschärft. Für generische Umweltclaims und Nachhaltigkeitssiegel gelten damit im B2C-Kontext zusätzliche Anforderungen. Die EU-Kommission erläutert in ihren aktuellen FAQs ausdrücklich, dass der zugrunde liegende Rechtsrahmen auf Geschäftspraktiken gegenüber Verbraucher:innen zielt; reine B2B-Kommunikation fällt grundsätzlich nicht in diesen Anwendungsbereich.
Für B2B-Unternehmen bleibt der Grundsatz trotzdem sinnvoll: Nachhaltigkeitsclaims sollten belegbar sein und nicht mehr versprechen, als die Daten tatsächlich hergeben.
Von der Kennzahl zur guten Story
Gerade technisch geprägte Unternehmen haben dabei einen Vorteil: Ihre Nachhaltigkeitsleistung lässt sich häufig mit messbaren Produkteigenschaften verbinden. Weniger Energieverbrauch kann niedrigere Betriebskosten bedeuten, eine längere Produktlebensdauer die Total Cost of Ownership senken und ein effizienterer Prozess Material sparen.

Für die Kommunikation hilft dabei ein einfaches Prinzip: Beleg, Vergleich, Kundennutzen. Was wurde gemessen? Womit wird verglichen? Und warum ist das Ergebnis für Kunden überhaupt relevant? Erst wenn diese drei Fragen beantwortet sind, wird aus einer Umweltkennzahl eine belastbare Botschaft.
„20 Prozent weniger Energieverbrauch“ ist zunächst nur eine Kennzahl. Aussagekräftiger wird sie, wenn klar ist, unter welchen Bedingungen sie gilt und was daraus folgt – etwa wie viel Energie eine Anlage bei typischen Betriebsstunden über ein Jahr einspart und welche Auswirkungen das auf die laufenden Kosten hat.
Nachhaltigkeit muss deshalb nicht als zusätzliches grünes Versprechen neben dem eigentlichen Produktnutzen stehen. Sie kann Teil derselben Produktstory sein. Dafür braucht es keine möglichst großen Begriffe, sondern belastbare Daten, einen nachvollziehbaren Vergleich und einen klaren Bezug zur Praxis der Zielgruppe.
Fazit
Glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation beginnt nicht bei der Frage „Was können wir behaupten?“, sondern bei der Frage „Was können wir belegen – und warum ist das für unsere Zielgruppe relevant?“ Für Industrie- und Technologieunternehmen bedeutet das: konkrete ökologische Vorteile identifizieren, mit belastbaren Daten untermauern und verständlich mit dem tatsächlichen Produktnutzen verbinden.
Genau dort entsteht aus einer technischen Kennzahl eine gute B2B-Geschichte – ohne dass Nachhaltigkeit zum grünen Etikett werden muss.
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Über Sebastian Kuschel
Sebastian hat sich schon früh für spannende Geschichten in Spielen, Büchern und Filmen begeistert und sein Interesse an kreativem Storytelling entdeckt. Er leitete diverse Marketing- und PR-Accounts im Bereich Wissenschaft, Politik sowie B2C (Gaming, Lifestyle, Tech) und ist seit 2024 Senior Account Manager bei Berkeley Kommunikation, der deutschen Niederlassung der Berkeley Communications Group für die DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) in München. Hier betreut er erfolgreich B2B-Kunden in IT, Logistik, Nachhaltigkeit und Bildung. Die dynamische Medienwelt inspiriert ihn, originelle Content-Formate zu entwickeln: Er vermittelt komplexe Themen zielgruppengerecht, fördert Teamarbeit und überzeugt Neukunden in Pitches mit innovativen Kommunikationsstrategien.
Bilder erstellt mit Gemini