Künstliche Intelligenz
Antworten statt Links: Was ChatGPT Search & Googles AI Overviews für Marken verändern
Zwei Produktankündigungen haben die Suchgewohnheiten spürbar verschoben. ChatGPT Search ist seit dem 5. Februar 2025 ohne Anmeldung nutzbar – in allen Regionen, in denen ChatGPT verfügbar ist [1]. Die Oberfläche liefert Antworten und weist die verwendeten Quellen aus. Google hat am 20. Mai 2025 seine AI Overviews auf mehr als 200 Länder/Territorien und 40+ Sprachen ausgeweitet. Overviews erscheinen, wenn sie laut System „am hilfreichsten“ sind, blenden die Antwort nach oben und führen mit prominent platzierten Links in die Tiefe [2].
Was sich wirklich verschiebt
Bislang konkurrierten Marken mit Seiten; nun konkurrieren sie mit Antworten. Chat- und Suchoberflächen verdichten Informationen und binden die weiterführenden Links erst nach der Antwort ein. Das ist kein reiner UI-Effekt, sondern eine andere Lese-Logik: Systeme extrahieren Definitionen, Kernaussagen, Bedingungen und Grenzen – und gewichten konsistente Formulierungen, die sich problemlos zitieren lassen. Google beschreibt Overviews ausdrücklich als situatives Feature, das erscheint, wenn es „am hilfreichsten“ ist – inklusive deutlich sichtbarer Verlinkungen in die Tiefe [2, 3].
Was das für Kommunikation heißt
Wer überzeugen will, muss erklären: Was ist der Begriff, wofür taugt die Lösung, wo sind die Grenzen – und wo steht das genauer? Vage Nutzenprosa hilft weder Menschen noch Maschinen. Relevanter werden öffentliche Primärquellen (ein klar definierter Guide, ein Glossareintrag, ein Case), auf die sich Antworten verlässlich beziehen können. Genau das adressieren beide Anbieter in ihrer Produktkommunikation: ChatGPT Search stellt Quellen direkt neben die Antwort [4]; AI Overviews rahmen die Antwort und zeigen Verweise sichtbar an [3]. Für Marken ist das eine Einladung, wenige starke statt viele dünne Seiten zu pflegen.
Zero-Click ist kein Nullwert
Ja, mehr Fragen werden direkt in der Oberfläche beantwortet. Das kann kurzfristig klassische Traffic-Metriken drücken – erhöht aber die Bedeutung von korrekten Nennungen in Antworten und von weiterführenden Ankern, die tatsächlich angeklickt werden. Google betont, dass Overviews Links prominent platzieren, teils sogar zusätzliche Linkpfade im Text öffnen [5, 6]. Wer dort mit einer eindeutigen Definition und einer vertrauenswürdigen Primärquelle auftaucht, gewinnt Reputation – und die nachgelagerten Klicks, wenn Nutzer:innen tiefer einsteigen.
Praktische Implikationen
Strategisch zählt jetzt Begriffsarbeit statt Buzzwords, Konsistenz über Kanäle (ein Kernsatz, der wiedererkennbar bleibt) und Provenance – also nachvollziehbare Herkunft und Aktualität der Aussagen. Antworten sind Momentaufnahmen; Marken brauchen sichtbare Orte für Updates und Korrekturen, sonst zirkulieren veraltete Formulierungen weiter. Und weil Overviews situativ erscheinen, lohnt es sich, Antwortwürdigkeit aufzubauen: kurze Erklärstücke zu den wichtigsten Fragen, jeweils mit einem klaren Satz, der so übernommen werden kann – und einer einzigen, starken Quelle zur Vertiefung. Googles Developer-Guides unterstreichen dabei: Die Best Practices rund um klare Inhalte und saubere Quellenführung bleiben auch in den neuen Oberflächen entscheidend [2,7].
Einordnung: OpenAI vs. Google
ChatGPT Search ist eine eigenständige, dialogische Oberfläche, die laut OpenAI ohne Login zugänglich ist und Quellen im Antwortkontext anzeigt [1]. AI Overviews sind in die Standardsuche eingebettet, erscheinen situativ und führen mit prominenten Links zu weiterführenden Seiten [2, 5]. Für Marken bedeutet das: Die antwortfähige Erklärung ist der gemeinsame Nenner – sie entscheidet über korrekte Nennung und Anschlussfähigkeit in beiden Ökosystemen.
Fazit
Das Netz wandert ein Stück von der Seite zur Antwort. Wer sichtbar bleiben will, braucht weniger Masse und mehr klare Begriffe, eindeutige Erklärungen und belastbare Primärquellen – also Inhalte, die Menschen und Maschinen gleichermaßen präzise weitergeben.
Für die PR-Praxis heißt das: Sichtbarkeit entsteht dort, wo Marken klare Antworten liefern – mit präzisen Begriffen, einem zitatfähigen Kernsatz und genau einer verlässlichen Primärquelle. Sinnvoll ist eine kleine, öffentlich zugängliche Antwort-Bibliothek zu den wichtigsten Kundenfragen; jede Antwort sollte ein sichtbares Änderungsprotokoll haben. Entscheidend ist die Governance: dieselbe Formulierung in PM, Blog, Website und Social – damit Antwortoberflächen und Redaktionen konsistent zitieren können. So entsteht eine zitierfähige Erzählspur – in ChatGPT Search und Googles AI Overviews ebenso wie in klassischen Medien.
[1] https://openai.com/de-DE/index/introducing-chatgpt-search/
[2] https://blog.google/products/search/ai-overview-expansion-may-2025-update/
[3] https://developers.google.com/search/blog/2025/05/succeeding-in-ai-search?hl=de
[4] https://help.openai.com/en/articles/9237897-chatgpt-search
[5] https://blog.google/products/search/google-search-ai-mode-update/
[6] https://searchengineland.com/google-links-ai-overviews-to-own-search-results-454239
[7] https://developers.google.com/search/docs/appearance/ai-features?hl=de
Titelbild: Linus Belanger auf Unsplash