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Selbstbildnis der PR-Branche: Haben wir kein Selbstvertrauen?


Von Sarah Schönhöffer

In Zeiten von Social Media und Fake News nimmt das Vertrauen in Medien zunehmend ab in Deutschland. Dies weitet sich auch auf unsere Branche aus. Wie die aktuelle ECM-Studie zeigt, setzen auch wir Pressesprecher und PR-Experten offenbar zu wenig Vertrauen in uns selbst. Das ist problematisch für unser Verhältnis zu unseren Kollegen oder Kunden, aber auch für unsere Zielgruppen – Journalisten, Blogger, Influencer und letztlich die breite Öffentlichkeit.

Drei Viertel der Befragten stammen aus Presseabteilungen von Unternehmen oder Organisationen. 

Also, wie schlimm steht es tatsächlich um uns? Der European Communication Monitor ist die größte transnationale Studie zur strategischen Kommunikation weltweit. Seit 2007 wird sie jährlich mit mehr als 30.000 teilnehmenden Kommunikationsprofis durchgeführt. Er bildet also die Innensicht unserer Branche ab. Hier die wichtigsten Facts in Kürze für diejenigen, die sich nicht durch 132 Seiten Report wühlen möchten:

Was glauben PR-Profis weltweit, wie sie wahrgenommen werden?

Das Selbstbildnis und die Vertrauensrate nehmen offenbar ab, je „weiter“ sich die Zielgruppe vom Kommunikationsprofi entfernt befindet:

  • Dass Führungskräfte uns Vertrauen schenken, glauben 67,2 Prozent (sieht ja noch top aus!)
  • bei Influencern und Bloggern glauben dies noch 47,5 Prozent (naja, immerhin die fast die Hälfte)
  • Vertrauen seitens der Journalisten schätzen PR-Profis nur auf einen Anteil von 39,1 Prozent ein (unsere Hauptzielgruppe, eine schlechte Selbsteinschätzung!)
  • Von 27,6 Prozent der Bevölkerung nehmen wir an, dass sie vertraut (Gibt es so etwas wie Selbsthass unter uns?)

Die Zahlen sehen auf den ersten Blick eher verheerend aus, allerdings muss dazu sagen, dass PR-Profis gleichzeitig auch glauben, dass ihnen sowohl interne als auch externe Stakeholder Vertrauen in die Kommunikationsabteilung oder -agentur entgegenbringen:

  • 85,1 Prozent der Führungskräfte vertrauen der PR-Profession
  • 68,4 Prozent der Influencer und Blogger vertrauen der PR-Profession
  • 73,9 Prozent der Journalisten vertrauen der PR-Profession
  • 70,1 Prozent der Bevölkerung der PR-Profession

Transparenz ist Trumpf

Wer A sagt, muss aber auch B sagen, heißt in unserem Fall: wer Vertrauen anbringt, muss auch Transparenz erwähnen. Denn Vertrauen kann nur durch Transparenz und Offenheit aufgebaut werden. Für fast die Hälfte der Befragten (46,9 Prozent) der ECM-Studie ist Transparenz jedoch eine Herausforderung. Vor allem transparent über die politische Haltung des Führungsteams (41,1 Prozent) und interne Prozesse beziehungsweise Arbeitsabläufe (35,1 Prozent) der Unternehmen zu kommunizieren, ist schwierig.

Aber was tun, um transparent und vertrauenswürdig zu sein? Die Berücksichtigung des Kommunikationskodex des DRPR kann sicher dabei helfen, Krisen zu vermeiden. Denn: arbeiten wir sauber, transparent und offen, gibt es keinen Grund uns zu misstrauen.

Titelbild von Jonas Kakaroto on Unsplash