PR-Handwerk
Digitale PR reicht nicht mehr: Warum persönliche PR-Events zurück sind
TL;DR: Persönliche PR-Events erleben ein Comeback, weil digitale Kommunikation Vertrauen und echte Beziehungen nicht ersetzen kann. Sie schaffen Raum für Austausch, Kontext und nachhaltige Medienarbeit – und sind damit trotz geringerer Messbarkeit strategisch wertvoller als reine Online-Formate.
Persönliche PR-Events galten lange als ineffizient und schwer messbar. Doch gerade in einer digital überreizten Medienlandschaft zeigt sich, warum persönliche PR-Events wieder an Bedeutung gewinnen. Sie schaffen Vertrauen, ermöglichen echten Austausch und stärken Beziehungen in der Öffentlichkeitsarbeit dort, wo digitale Kommunikation an ihre Grenzen stößt.
Was geht verloren, wenn persönliche Kommunikation in der PR fehlt?
Als Journalismuspraktikantin in Budapest stand ich einst auf der anderen Seite der Pressekette. Ich besuchte Presseveranstaltungen, führte Gespräche und schrieb darüber. Natürlich waren Goodiebags und gutes Catering immer ein guter Anreiz, doch entscheidend war etwas anderes. Ich wurde als Anfängerin offen in den Pressekreis aufgenommen, lernte erfahrene Journalist:innen, Botschafter:innen sowie Pressevertreter:innen kennen und ging mit einem großen Packen an neuen Visitenkarten und somit auch wertvollen Kontakten nach Hause.
Diese persönlichen PR-Events waren Orte des Lernens und des Austauschs für mich. Sie boten Raum für Gespräche und die Entwicklung von gemeinsamen Projekten. Mit der Corona-Pandemie verschwand genau dieser Raum. Veranstaltungen wurden digital und die Kommunikation funktionierte zwar weiter, verlor jedoch an Tiefe. Spontane Gespräche, die zu mehr Vertrauen und einem Beziehungsaufbau führen sollten, ließen sich nur noch eingeschränkt abbilden. Dass digitale Kommunikation persönliche Nähe nicht vollständig ersetzen kann, bestätigt auch aktuelle Forschung. Eine 2025 im Public Relations Review veröffentlichte Studie weist Face-to-Face-Interaktionen eine deutlich höhere Zufriedenheitswirkung zu als rein digitalen Formate.
Warum erleben persönliche PR-Events aktuell ein Comeback und sind sie noch zeitgemäß?
Die Medienlandschaft ist heute von starker Beschleunigung und strukturellem Druck geprägt. Redaktionen arbeiten mit begrenzten Ressourcen, während Themenvielfalt und Informationsdichte weiter zunehmen. In diesem Umfeld verliert bloße Sichtbarkeit an strategischem Wert. Wirkung entsteht nur dort, wo Inhalte eingeordnet werden können und Vertrauen in Absender und Kontext besteht. Persönliche PR-Events reagieren genau auf diese Verschiebung. Sie schaffen Räume, in denen Kommunikation verlangsamt wird und journalistische Arbeit durch Erklärung, Kontext und direkten Austausch unterstützt wird. Komplexe Themen lassen sich so differenziert vermitteln, statt auf einzelne Aussagen reduziert zu werden. In-Person-Events fördern laut einer Studie der Northwestern University Community-Building, Engagement und Zusammenarbeit deutlich stärker als virtuelle Formate. Also genau die Effekte, die für nachhaltige Medienbeziehungen unerlässlich sind.
Die Wirkung persönlicher PR-Events entzieht sich häufig kurzfristiger Messbarkeit, was ihre Zeitgemäßheit eventuell in Frage stellen könnte. Aus strategischer Perspektive greift diese Sicht jedoch zu kurz. Öffentlichkeitsarbeit wirkt über Beziehungen, die sich über Zeit aufbauen und Wahrnehmung nachhaltig prägen. Persönliche Kontakte beeinflussen, wie Informationen bewertet werden und ob sie ernsthaft aufgegriffen werden. Digitale Kommunikation kann vielleicht schnell Aufmerksamkeit erzeugen, ersetzt jedoch nicht den relationalen Unterbau, auf dem Glaubwürdigkeit beruht. Vor diesem Hintergrund sind persönliche PR-Events kein Relikt, sondern ein zeitgemäßes Instrument strategischer Medienarbeit.
Wie haben sich PR-Events inhaltlich und strukturell verändert?
Persönliche PR-Events haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt, sowohl in ihrer inhaltlichen Ausrichtung als auch in ihrer dramaturgischen Struktur. Formate, die primär auf Inszenierung oder standardisierte Abläufe setzten, verlieren zunehmend an Relevanz. An ihre Stelle treten Veranstaltungen, die auf Nähe und inhaltliche Substanz ausgelegt sind. Der Fokus verschiebt sich weg von der Präsentation hin zum Gespräch, weg von der Einbahnkommunikation hin zu echter Interaktion.
Dieser Wandel spiegelt veränderte Erwartungen auf journalistischer Seite wider. Statt vorgefertigter Botschaften rücken Kontext und fachliche Einordnung wieder mehr in den Vordergrund. Persönliche PR-Events werden dadurch zu Arbeitsräumen, in denen Themen vertieft, kritisch hinterfragt und gemeinsam erschlossen werden können. Gerade bei komplexen oder erklärungsbedürftigen Themen entfalten diese Formate ihre besondere Wirkung, weil sie Verständnistiefe ermöglichen, wo standardisierte Kommunikationsformate an ihre Grenzen stoßen.
Fazit: Warum persönliche PR-Events strategisch relevant bleiben
Auch im Team haben wir wieder mehr vor Ort Termine. So berichtete auch meine Kollegin über ihr letztes Kundenevent, wie wertvoll persönliche Treffen im Vergleich zu rein digitalen Formaten sein können. Vor Ort hat man die Gelegenheit, nicht nur den eigenen Kunden kennenzulernen, sondern auch dessen Kunden, Journalisten und Speaker sowie alle weiteren Beteiligten, vom Fotografen bis zum Videografen. Dadurch entsteht eine ganz andere Dynamik und ein deutlich engeres Miteinander als bei rein virtuellen Veranstaltungen.
Es wird gescherzt, gelacht, sich ausgetauscht, Momente, die eine Verbindung schaffen, die über den reinen Arbeitskontext hinausgehen. Gleichzeitig bietet ein Vor-Ort-Event viel mehr Raum für Gespräche und spontanen Austausch, weil man nicht nur während der Veranstaltung selbst miteinander in Kontakt ist, sondern bereits davor, in den Pausen und auch danach.
Persönliche PR-Events sind kein Relikt vergangener Kommunikationsmodelle. Sie sind eine bewusste Antwort auf die Herausforderungen moderner Medienarbeit. In einer Zeit, in der digitale Kommunikation dominiert, schaffen sie Nähe und Vertrauen. Sie sind weniger skalierbar oder laut, aber dafür langfristig wirkungsvoller. Persönliche PR-Events bleiben damit ein zentrales Element strategischer Öffentlichkeitsarbeit und ich freue mich schon auf das persönliche Miteinander bei den nächsten Events – und vielleicht auch ein bisschen auf die Goodies. 😉
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Über Marie Lück
Marie ist seit 2021 Teil von Berkeley Kommunikation, der deutschen Niederlassung der Berkeley Communications Group für die DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) in München und als Senior Account Executive tätig. Marie konzipiert Kommunikationsstrategien, die komplexe IT- und Tech-Themen verständlich, relevant und greifbar machen. Mit ihrer Erfahrung in Media Relations, Recherche, Eventorganisation und Social Media – stets verbunden mit einem klaren Fokus auf Storytelling – sorgt sie dafür, dass Innovationen die Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen.
Titelbild: Operators Guild auf Unsplash