PR-Handwerk

Integrierte B2B-Kampagnen: Wie PR Marketing und Vertrieb unterstützen kann

Written by Sarah Grill

7 Mai 2026

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TL;DR: PR kann im B2B weit mehr leisten als Sichtbarkeit schaffen. Integrierte Kampagnen verbinden Medienarbeit, Content und Vertrieb und machen Kommunikation zu einem echten Sales-Enabler. „PR zahlt auf die Marke ein, Vertrieb bringt Leads.“ Diese Trennung hält sich in vielen Unternehmen bis heute. In der Praxis funktioniert B2B-Kommunikation längst anders – oder sollte es. Gerade in der Tech-Branche sind Kaufentscheidungen komplex, dauern oft Monate und involvieren zahlreiche Stakeholder. Sichtbarkeit allein reicht deshalb nicht aus. Entscheidend ist, ob Kommunikation entlang der gesamten Customer Journey  wirkt. Genau hier entfaltet PR ihr eigentliches Potenzial. Wenn sie strategisch mit Marketing, Social Media und Vertrieb verzahnt ist, wird sie vom reinen Awareness-Instrument zum Sales-Enabler. Integrierte B2B-Kampagnen schaffen genau diese Verbindung.

Wenn PR nur Reichweite erzeugt, bleibt Potenzial liegen

In vielen Unternehmen läuft Kommunikation noch immer nach einem klassischen Muster ab. Die PR veröffentlicht Pressemitteilungen, organisiert Interviews oder platziert Fachartikel. Marketing arbeitet parallel an Kampagnen, während der Vertrieb seine eigenen Programme verfolgt.

Das Problem dabei: Die Aufmerksamkeit, die durch PR entsteht, wird selten systematisch weiterverarbeitet.

Gerade im B2B-Bereich ist das eine verpasste Chance. Entscheider informieren sich in Fachmedien, diskutieren Themen auf LinkedIn, besuchen Veranstaltungen oder tauschen sich in ihrem Netzwerk aus. Vertrauen entsteht dabei Schritt für Schritt.

Unternehmen müssen deshalb mit relevanten Inhalten präsent sein, lange bevor ein konkreter Kaufprozess beginnt. Gleichzeitig müssen diese Inhalte auch im weiteren Entscheidungsprozess eine Rolle spielen – etwa als Orientierungshilfe, als Experteneinschätzung oder als Impuls für strategische Diskussionen im Unternehmen.

Wie schafft man den Schritt zur integrierten Kampagne?

Der Ausgangspunkt erfolgreicher B2B-Kampagnen ist selten ein Produkt. Häufig steht zunächst eine relevante Branchenfrage oder ein konkretes Problem im Mittelpunkt. Ein Markttrend, neue Daten oder Erfahrungen aus der Praxis können zur Grundlage für eine Geschichte werden, die sowohl für Medien als auch für die Zielgruppe relevant ist. Studien, Analysen oder reale Fallbeispiele liefern dabei Substanz und erhöhen den Nachrichtenwert.

Die PR sorgt zunächst dafür, dass dieses Thema Sichtbarkeit bekommt. Fachmedien, Branchenportale oder Wirtschaftsmedien greifen Inhalte auf, wenn sie neue Perspektiven liefern oder komplexe Entwicklungen verständlich machen. Dadurch entsteht Reichweite – vor allem aber Glaubwürdigkeit.

Gleichzeitig entstehen Inhalte, die sich über viele Kanäle hinweg nutzen lassen. Ein Fachartikel kann als Grundlage für einen Blogbeitrag dienen, ein Interview liefert Inhalte für Social Media, eine Analyse kann in einem Whitepaper oder Webinar vertieft werden. So entsteht rund um ein Thema ein kontinuierlicher Dialog mit der Zielgruppe.

Wenn Inhalte im Vertrieb wirken

Der eigentliche Mehrwert integrierter Kampagnen zeigt sich im nächsten Schritt: wenn diese Inhalte aktiv in Marketing- und Vertriebsprozesse eingebunden werden.

Ein Medienbericht oder eine Studie kann zum Einstieg in ein Gespräch mit potenziellen Kunden werden. Experteneinschätzungen helfen dabei, komplexe Themen verständlich zu erklären und Vertrauen aufzubauen. Inhalte aus Kampagnen werden so zu Argumentationsgrundlagen im Vertrieb. Denn: Unternehmen kaufen selten nur ein Produkt. Sie entscheiden sich für Anbieter, denen sie Kompetenz und Erfahrung zutrauen. PR kann genau dieses Vertrauen aufbauen – und damit Gespräche im Vertrieb deutlich erleichtern.

Praxisbeispiel: Incident-Response-Kampagne mit und für Kaspersky

Ein Praxisbeispiel zeigt, wie ein solcher integrierter Ansatz funktionieren kann. Gemeinsam mit dem Cybersecurity-Unternehmen Kaspersky haben wir eine B2B-Kommunikationskampagne zum Thema Incident Response umgesetzt.

Ausgangspunkt war eine Studie unter IT-Entscheidern in der DACH-Region, ergänzt durch aktuelle Daten aus den Analysen des Kaspersky Incident Response Teams. Ziel war es, Unternehmen stärker für Incident Response als präventiven Bestandteil einer ganzheitlichen Cybersecurity-Strategie zu sensibilisieren und gleichzeitig Kaspersky als kompetenten Partner für nachhaltige Sicherheitskonzepte zu positionieren.

Die Studienergebnisse bildeten die Grundlage für eine datengetriebene Story, die über Fachartikel, Interviews und Medienplatzierungen in relevanten IT- und Wirtschaftsmedien verbreitet wurde. Parallel wurden Inhalte über Social Media, Marketing-Kanäle und Sales-Materialien weiterverwendet. Über eine spezifische Landingpage konnten Interessierte den vollständigen Studienreport herunterladen – ein Ansatz, der nicht nur breite Sichtbarkeit erzeugte, sondern auch konkrete Vertriebsergebnisse lieferte.

Das Ergebnis am Ende? Mehr als 80 Medienberichte mit einer Reichweite von über 68 Millionen sowie etliche Marketing- und Sales-Leads.

Wenn Kommunikation zur gemeinsamen Strategie wird

Damit integrierte Kampagnen funktionieren, reicht es allerdings nicht aus, einzelne Maßnahmen miteinander zu verbinden. Entscheidend ist eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Teams. PR, Marketing und Vertrieb müssen entlang einer gemeinsamen Story arbeiten. Themen werden gemeinsam definiert, Inhalte abgestimmt und Kampagnen strategisch geplant. Idealerweise sind auch Führungskräfte oder technische Experten in diesen Prozess eingebunden. Ihre Perspektiven und Erfahrungen verleihen Inhalten zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Ebenso wichtig ist die systematische Weiterverwendung von Inhalten. Eine gute Kampagne produziert nicht nur einzelne Beiträge, sondern ein ganzes Ökosystem aus Themen, Perspektiven und Formaten. Medienberichte, Fachartikel, Social-Media-Diskussionen oder Vertriebsunterlagen greifen dabei auf dieselben zentralen Insights zurück. So entsteht eine konsistente Kommunikation über alle Kanäle hinweg. Und genau das, kann bei der Lead-Generierung unterstützen.

Titelbild: Andrew Moca auf Unsplash

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Über Sarah Grill

Sarah ist Associate Director und seit 2016 Teil des Teams von Berkeley Kommunikation, der deutschen Niederlassung der Berkeley Communications Group für die DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) in München. Sarahs Schwerpunkte sind Krisenkommunikation, strategische sowie integrierte PR-Beratung und Entwicklung maßgeschneiderter Kommunikationsstrategien. Bei Berkeley leitet und entwickelt sie Teams, stellt die Rentabilität von Accounts sicher und steuert die strategische Ausrichtung von Projekten. Zudem ist sie an der Ressourcenplanung, Entwicklung neuer Geschäftsmöglichkeiten und Neukunden-Pitches beteiligt. Bei Berkeley war sie an einigen preisgekrönten sowie für Awards nominierten Kampagnen beteiligt.