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Message from sse Grammar-Baby: Geliked, geliket oder gelikt?


Von Aline Eichhorn

Besonders in den Social-Media-Kanälen gehört liken zum alltäglichen Netzjargon. Doch etwas mit Gefällt mir zu markieren, scheint da schriftlich als auch mündlich schon umständlicher als etwas liken. Das Partizip Perfekt des aus dem Englischen entlehnten Verbs sorgt allerdings für Uneinigkeit.

Allgemein gilt die Regel, dass Verben, die aus dem Englischen ins Deutsche übernommen werden, schwach flektiert werden. Das erscheint nur logisch, da es im Deutschen üblich ist, bei neu gebildeten Verben so vorzugehen. Beim Anglizismus killen geht beispielsweise vom Verbstamm kill– aus. Konsequenterweise bildet sich im Deutschen der Infinitiv killen. Entsprechend lautet die Präteritalform killte und das Partizip Perfekt gekillt, das mit dem Zirkumfix ge– und –t gebildet wird – schwache Flexion also. Nun könnte als Partizip Perfekt auch gekilled in Betracht gezogen werden. Dem Leser würde somit angezeigt, dass es sich um eine Entlehnung aus dem Englischen handelt, was hier jedoch nicht wirklich von Nöten ist, da die Aussprache vom Verbstamm kill– im Deutschen wie im Englischen sehr ähnlich ist. Setzt man gekilled adjektivisch ein, wie beispielsweise in der gekillede Käfer, fällt sofort auf, dass es sich hierbei keineswegs um die korrekte Schreibweise handeln kann. Das Schriftbild mutet fürs Deutsche unnatürlich an und auch die Aussprache geht schwer über die Lippen. Es muss also der gekillte Käfer sein und die korrekte Partizipialform folglich gekillt lauten. Für das Beispiel liken lässt sich somit geliked als Partizip Perfekt ausschließen. Es widerspräche der Regel, dass neuere Verben Zirkumfigierung durch ge– und –t erhalten und auch der Test, geliked adjektivisch zu verwenden, zeigt sofort die Problematik der Bildung auf: der gelikede Beitrag. Auch hier sind Aussprache und Schriftbild für das Deutsche ungewöhnlich. Die Partizipialform geliked ist demnach keine Option mehr. Auch aus struktureller Sicht scheint das Suffix –ed nicht sinnvoll – würde es ja bedeuten, dass gekilled oder geliked mit dem Zirkumfix ge– und –ed gebildet wurden. Dies macht weder in der Englischen noch in der Deutschen Konjugation Sinn. Für den deutschen Sprecher ist es sozusagen erst mal ganz natürlich, neue Verben schwach zu flektieren. Wie ein Kind, bei dem Varianten wie gesprecht oder gelauft – also schwach flektiert – durchaus auftreten können, entscheidet er sich also für die lautliche Realisation [geːlaɪ̯kt]. Wegen der Auslautverhärtung im Deutschen ist die Schreibung jedoch nicht so einfach auszumachen, da man nicht hört, ob hier die Grapheme /t/ oder /d/ realisiert werden. Immer wieder liest man also geposted, gestyled, gemanaged, gebriefed etc., um wohl darauf hinzuweisen: Hierbei handelt es sich um eine englische Entlehnung, die deshalb mit dem Suffix –ed kenntlich gemacht wird. Allerdings werden dann zwei Arten der Vergangenheitsbildung kombiniert – das deutsche Perfekt und das englische Past Tense. Doch wie oben aufgezeigt, können diese Varianten der Partizip-Perfekt-Bildung ausgeschlossen werden, da man die Sinnhaftigkeit spätestens beim adjektivischen Einsatz anzuzweifeln hat.

Für das Beispiel liken bleiben als Partizipialformen also die Optionen geliket und gelikt.

Wie auf dem Screenshot zu erkennen ist, unterringelt die MS-Word-Autokorrektur nicht nur geliked, sondern auch geliket – lediglich gelikt wird hier als korrekte Schreibung anerkannt. Auch der Duden empfiehlt bei englischen Verben schwache Flexion und die Schreibung gelikt. Wenn bei liken also die Infinitivendung –en abgetrennt wird, erhält man den Verbstamm lik– und kann daran eine komplette Konjugation vornehmen.

Ist doch alles ganz logisch, oder?

Fotos von Ben White auf Unsplash