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Nonlineares TV: Ist YouTube der bessere Sender?


Von Karl H. Mayer

Seit Jahren ist das Internet als Plattform für Medieninhalte offenbar auf der Überholspur. Print ist längst weit abgeschlagen – allerdings ist „lineares Fernsehen“ wie ARD, ZDF, RTL, Pro7 & Co. zumindest im Durchschnitt der Bevölkerung noch das führende Medium (vergleiche dazu Massenkommunikation 2015 mit 208 Minuten täglicher Nutzungsdauer). Die Jungen im Alter von 14 bis 29 Jahren sehen jedoch immer mehr „nonlinear“ fern (mit 94 Minuten linear zu 53 Minuten nonlinear im Jahr 2017). Kostenlos über YouTube und im Abonnement über Dienste wie Netflix oder Amazon Prime.

Jetzt hat die AGF Videoforschung, von ARD/ZDF, ProSiebenSat1, RTL sowie anderen Medienkonzernen getragen, einen besonderen Bericht vorgelegt. Erstmals wurde der Versuch gemacht, Nutzungsdaten gemeinsam mit YouTube auszuweisen. Die Studie bezieht sich auf den Monat Oktober 2018 als Auswertungszeitraum. Die Nutzung von „Bewegtbild“ insgesamt ist beim – sehr groben – Vergleich mit der Langzeitstudie auf 232 Minuten täglich gestiegen, bei der AGF-Auswertung wurden allerdings Nutzer ab 18 Jahren erfasst. YouTube kommt mit einer Nutzungszeit von 33 Minuten hinzu.

Hohe Streuung auf YouTube?

Lineares TV ist also dem nonlinearen TV noch überlegen, wenn man hier als Indiz die Nutzung von YouTube nimmt. Bei YouTube verblüfft die breite Auffächerung des Bewegtbild-Contents. Die täglich 33 Minuten teilen sich auf 35.000 Content-Owner mit über 75.000 Channels auf. Die massenhaft aufgerufenen Angebote entfielen auf 148 Anbieter mit über 10 Millionen Views. 12 Anbieter erreichten über 100 Millionen Abrufe. Dabei sahen etwa zwei Drittel der Nutzer die Videos auf ihrem Mobiltelefon.

Die starken Content-Owner auf YouTube sind bei alldem oft dieselben Verdächtigen aus dem linearen TV, etwa die ProSiebenSat1 -Gruppe mit ihrem YouTuber-Netzwerk „Studio 71“, aber auch die RTL-Gruppe sowie der Sony-Kanal „Vevo“.

Reguläre Studie lässt auf sich warten

Das DWDL.de Medienmagazin weist daraufhin, wie lange die AGF von der ersten Ankündigung bis zur Tat benötigt hat, nämlich drei Jahre. Der Verdacht lag nahe, das die „klassischen“ Sender trotz aller Lippenbekenntnisse YouTube auf Abstand halten wollten. Uwe Mantel vom Medienmagazin schreibt dazu: „[…] mit einmalig vorliegenden Daten für einen längst vergangenen Monat vermag kaum jemand etwas anzufangen, notwendig wäre der Einstieg in die regelmäßige Ausweisung.“ Doch wie es mit solchen Auswertungen weitergeht, dazu wollte sich die AGF auf Anfrage des Medienmagazins nicht äußern.