Künstliche Intelligenz

Herz vor Hirn: Weshalb menschliches Storytelling in Zeiten von ChatGPT und Co. so wichtig ist

Written by Isabella Fröhlich

15 Januar 2026

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Der Blogbeitrag meiner Kollegin Renee Sanchez hat mich dazu animiert, über die deutsche Berkeley-Sicht zum Thema „Storytelling in Zeiten von KI“ zu schreiben. Also über meine Sicht, meine ganz Storytelling-eigene.

Renee zitiert in ihrem Beitrag Nvidia-CEO Jensen Huang, der KI einmal „die Rache der Geisteswissenschaftler“ nannte. Ich finde den Verweis dazu gerade nicht – aber Huang meinte das wohl auch mehr ironisch. Reid Hoffman, seines Zeichens Tech Entrepreneur und Co-Founder von LinkedIn allerdings präsentierte davon in einem Interview eine etwas differenziertere, realitätsbasierte Version. Wer sich dafür interessiert: https://edition.cnn.com/2025/02/02/world/video/gps0202-hoffman-on-deepseek-and-ai-optimism

Zurück zu Huang: Was er wohl meinte, war: Wer Sprache beherrscht, wer neugierig denkt und kritisch hinterfragt, hat heute die besten Karten. „Prompting“ – also die Kunst, einer KI die richtigen Fragen zu stellen – ist eine kognitive Spitzenleistung. So empfinde ich das auch: ich nutze KI-Tools als Sparringspartner, zuweilen unterschiedliche Tools, meistens aber ChatGPT (einfach, weil wir bei Berkeley eine geschützte Umgebung aufgesetzt haben und ich hier freier in den Austausch gehen kann).

Ich hinterfrage, prompte nach, starte noch einmal neu, vergleiche die Ergebnisse, filtere heraus, was ich von dem „KI-Auswurf“ nutzen möchte, was nicht. Denn schlechte Texte sind auch hilfreich, sie zeigen mir, was ich nicht möchte. Ich muss also genauso viel nachdenken, wie wenn ich in einem intensiven Gespräch mit jemandem bin – und vielleicht noch ein wenig mehr, weil ich davon ausgehen muss, dass mein Gegenüber nicht zwingend auf der gleichen geistigen Höhe ist wie ich (und vielleicht auch ein Schlawiner 😉). Ach ja: wer mehr dazu wissen möchte, wie ich KI-Tools einsetze, kann hier reinschauen (dann muss ich an dieser Stelle nicht alles wiederholen, wird ja auch redundant): https://www.berkeleypr.com/de/storytelling-funf-fragen-fur-frohlich/).

Content-Entwicklung: Daran scheitern KI-Tools (noch)

„Die KI will nichts“, sagte Bestseller-Autor Frank Schätzing im Sommer 2025 auf eine Bierdeckelzuschauerfrage, als er zu Gast bei Ina Müller (Inas Nacht, sehr empfehlenswert) war. Die Frage lautete (sinngemäß wiedergegeben), was denn in Zeiten von ChatGPT und Co. Autorenschaft ausmache. Es gebe, so Schätzing, einen großen Unterschied zwischen menschlicher Kreativität und Künstlicher Intelligenz und das sei Originalität, Emotion und Wille. Denn – bester Satz, deshalb wiederhole ich ihn: „Die KI will nichts“

KI kann keine Erfahrungen ersetzen. Erfahrungen sind aber die Basis jeder Geschichte. Eine Geschichte, egal was für eine, wird von uns Menschen interpretiert durch das, was wir erfahren, was wir selbst erlebt haben – und was wir nachempfinden können.

Unser CEO Chris Hewitt hatte kürzlich eine Slide in einem seiner Workshops, die das gut zusammenfasst.

Es gilt aber eben nicht nur, ab und zu mal etwas nachzuprompten – man muss auch die Expertise haben, zu erkennen, was guter Content ist und was nicht. Hier kommen wir Kommunikationsprofis ins Spiel. Es sind die Autor:innen, Texter:innen, Content-Entwickler:innen, die das am besten beherrschen. Ist ja immerhin ein eigenes Berufsbild. 😉

Was ist also das Problem bei den Texten, die von ChatGPT und Co. erstellt werden?

Nach wie vor halluzinieren KI-Tools. Zwar ist die Entwicklung rasant – was heute, während ich diesen Blogbeitrag komplett selbst schreibe, noch gilt, kann zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon obsolet sein. Erst im Februar 2025 meinte Sam Altmann, Version 4.5 würde „nur noch zu 37 Prozent halluzinieren“. Ja hurra, sag ich da – mehr als ein Drittel des geschriebenen Wortes ist also falsch. Wer da nicht aufpasst, und Texte einfach so übernimmt, bringt seine Reputation in Gefahr.

Dazu kommt: Das den Modellen zugrunde liegende „Reinforcement Learning from Human Feedback“ macht die Modelle schmeichlerischer. Die KI-Tools schleimen also („tolle Frage, gute Idee, ganz wunderbar, soll ich Dir darauf basierend ein paar weitere Ausarbeitungen vorschlagen?“) und so weiter und so fort. Das Dilemma: KI-Systeme sollen authentisch sein, aber auch von Menschen akzeptiert werden. Aber wenn selbst ChatGPT-Vater Sam Altman kritisiert, ChatGPT sei „zu kriecherisch“ geworden, sollte man schon überlegen, wie man mit den Inhalten umgehen möchte.

Das Problem dabei: Wir Menschen freuen uns, wenn wir gelobt werden und neigen dann dazu, Ergebnisse nicht mehr ganz so kritisch zu hinterfragen. Die KI wiederum lernt und passt sich unserer Denkweise an. Die Folge sind weniger Impulse und weniger frische Ideen, dafür mehr Bauchpinselei, die auf Datensätzen und Datenkorrelationen beruht. Wenn da niemand, „der sich damit auskennt“, mit professionellem Blick an den Inhalten weiterarbeitet, bleiben Fehler unbemerkt. Und werden Fehler nicht korrigiert,  pflanzen sie sich immer weiter fort. Was bleibt ist Mittelmaß (bestenfalls).

Wie bleibt man also authentisch in einer KI-getriebenen Welt?

Ohne uns Menschen geht es also nicht, wenn man aus der Menge herausstechen will. Denn was unten rauskommt, ist nur so gut, wie das, was oben reingesteckt (und nachbearbeitet) wird. Sonst schwimmen wir irgendwann in der eigenen Schleimsuppe. 😉

„Wir dürfen der KI also nicht einfach vertrauen, sondern wir müssen sie hinterfragen und einordnen“, sagt Martina Heßler, Technikhistorikerin an der TU Darmstadt, im SZ-Interview. Künstliche Intelligenz sei eine Blackbox, bei der wir nicht wirklich wissen, wie sie zu ihren Ergebnissen kommt. Eine Blackbox, die auf Wahrscheinlichkeiten beruht, nicht auf menschlicher Verbundenheit und Authentizität. Wir brauchen Vertrauen in einer Zeit technologischer Skepsis: Wenn Zielgruppen nicht sicher sind, ob sie einer Information trauen können, werden menschlich geprägte, konsistente Geschichten zum Anker für Glaubwürdigkeit.

Und wir müssen KI-Tools als das nutzen, was sie per definitionem sind: Tools, Werkzeuge, die uns helfen, eine Story zu erzählen. Ob sie gut ist und wie wir sie erzählen, ist Menschensache.

Echte Differenzierung und emotionale Bindung entsteht durch eine klare, glaubwürdige und menschliche Erzählung. Diese Differenzierung wird mehr und mehr zum Wettbewerbsvorteil werden, je mehr KI-Contents uns umgeben. Wenn wir aus Masse Klasse machen, grenzen wir uns im Content-Überfluss ab.

Eine starke Storyline hebt ein Unternehmen aus der Austauschbarkeit heraus und macht es unverwechselbar. Gerade jetzt, wo viele Botschaften automatisch und massenhaft erstellt werden können, gewinnt eine glaubwürdige Haltung, also die Fähigkeit, Sinn, Haltung und Vision überzeugend zu vermitteln, an strategischem Wert. Menschengemachtes Storytelling fungiert also als Kompass im Chaos – und gibt Orientierung im Wandel:

Wofür sind KI-Tools denn dann gut?

Genug geschimpft und schwarzgemalt. Selbstverständlich haben KI-Tools auch Vorteile:

  • Was früher Tage gedauert hat, kann heute in Stunden erledigt werden.
  • Kritische Prüfungen der eigenen Ideen können uneingeschränkt eingefordert werden. Richtig gepromptet funktioniert das Sparring zu Beginn der Ideenfindung recht gut.
  • Mit KI-Tools als Helferlein an unsere Seite haben wir mehr Zeit, um kreativ und vor allem strategisch mit unserem Storytelling umzugehen
  • KI wird wahrscheinlich (oder vielleicht, oder vielleicht auch nicht) immer besser – wir sollten also neugierig bleiben und positiv eingestellt sein auf das, was kommt.

„Wir müssen KI-Hirten werden“, sagt Martina Heßler– und das beschreibt es einfach nur gut.

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TL;DR

Blogpost von Isabella Fröhlich, Chief Storyteller bei Berkeley Kommunikation: KI kann Inhalte generieren, aber keine Haltung, Emotion oder echte Bedeutung schaffen. Im Storytelling bleibt der Mensch unverzichtbar, weil Erfahrungen, Zweifel und Begeisterung nicht automatisierbar sind. Deshalb gilt: Herz vor Hirn, denn gute Geschichten verbinden Menschen, nicht Maschinen.

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Über Isabella Fröhlich

Isabella ist Geschichtenerzählerin, Geschichtenfinderin und Kommunikationswissenschaftlerin mit Jodeldiplom und Director bei Berkeley Kommunikation, der deutschen Niederlassung der Berkeley Communications Group für die DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) in München. Seit 2005 ist sie in der PR sowohl inhouse als auch in Agenturen vornehmlich im IT-/Tech-Umfeld im Bereich Public Relations, Kommunikation und Social Media tätig. Bei Berkeley war sie an einigen preisgekrönten sowie für Awards nominierten Kampagnen beteiligt. Isabella ist spezialisiert in Brand Storytelling, Content Creation, Media Relations, Eventorganisation und Feel Good Management.