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Storytelling: Fünf Fragen für Fröhlich | Teil 2
In unserer Blogpostreihe mit Isabella Fröhlich, Chief Storyteller Germany bei Berkeley Kommunikation, befragen wir sie regelmäßig über alles, was gutes Storytelling ausmacht: von kreativen Prozessen und narrativen Strategien bis hin zum Einfluss neuer Technologien wie KI. Isabella teilt dabei Einblicke aus ihrer täglichen Arbeit, Gedanken zu aktuellen Entwicklungen und ihre persönliche Haltung zu allem, was Geschichten lebendig macht. Lesenswert für alle, die verstehen wollen, warum Business Storytelling heute wichtiger ist denn je.
Wie erkennst du, ob eine Story von einer KI kommt, oder ist das bald gar nicht mehr möglich?
Im Moment erkenne ich das – abgesehen von den KI-typischen Stilmitteln, Einschüben in Gedankenstrichen (der hier ist echt menschlich! 😉), Textaufbauten, und so weiter – oft auch am Überkorrekten. KI-Texte sind glatt, höflich, logisch und gleichzeitig überraschend mutlos, „glattgeföhnt“, könnte man sagen. Es fehlt das kleine Stolpern, mit dem man bewusst anecken kann oder ein Gedanke, der eine Haltung offenbart. KI schreibt selten zu viel und fast nie zu wenig. Beides finde ich verdächtig. Ob es (für mich) bald gar nicht mehr möglich ist, eine KI-Story von einer menschengemachten zu unterscheiden? Vielleicht. Aber das wird dann nicht unbedingt daran liegen, dass die KI besser wird, sondern unser Anspruch höher beziehungsweise unser Umgang mit KI- und LLM-Tools ausgereifter.
Was wünschst du dir von Kunden, wenn es um die Entwicklung eines Narrativs geht?
Vertrauen in den Prozess (und mich). Mut zur Lücke, zur Unordnung am Anfang des Wegs. Ehrlichkeit! Ich gehe am Anfang eines Narrativ-Workshops immer rundum und erfrage die Erwartungen der Teilnehmenden. Da starte ich auch gleich immer mit meinen – und ich erwarte nie sondern wünsche mir etwas, und zwar offene Herzen, einen respektvollen Umgang mit jeglichem Input von allen Teilnehmenden und zugewandte Neugier auf das, was jetzt kommt. Ein Narrativ entsteht nicht aus durchstrukturierten PowerPoint-Folien, sondern aus Reibung, Widersprüchen und ehrlichen Gesprächen. Ich wünsche mir, dass die Kunden nicht sofort die beste Version von sich erzählen, sondern die für diese Person in ihrer Arbeitserlebniswelt wahre Version. Der Rest ergibt sich. Immer.
Was ist das Erste, was du deinen Kunden in Sachen Storytelling vermittelst?
„Ihr seid nicht der Held in Eurer Geschichte!“ Das ist manchmal im ersten Moment ernüchternd, dann aber fast immer befreiend (Stichwort: offen für das, was kommt…). Sobald klar ist, dass die Zielgruppe im Zentrum steht und das Unternehmen der Guide ist, wird Kommunikation plötzlich einfacher und auch relevanter. Storytelling ist kein Selbstporträt, sondern ein Beziehungsangebot.
Wie können Kommunikationsabteilungen KI nutzen, ohne ihre narrative Handschrift zu verlieren?
Indem sie KI als Werkzeug behandeln, nicht als Autor. KI kann sortieren, zuspitzen, Varianten denken und Tempo machen. Die narrative Handschrift entsteht aber woanders. In der Haltung, in der Entscheidung für einen Fokus und im Mut, etwas wegzulassen. AI Literacy und Narrative Governance sind hier Stichworte. Wir müssen mehr verstehen, als nur die technischen Grundbegriffe. AI Literacy beschreibt die Fähigkeit, KI-Systeme in ihrer Logik zu verstehen, ihre Ergebnisse kritisch zu prüfen und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen mitzudenken. Wer mit KI arbeitet, muss bewusst entscheiden können, was delegierbar ist, und wo menschliches Urteil, Verantwortung und Kontext unverzichtbar bleiben. Gleichzeitig prägen Narrative, wie wir Technologie einordnen. Sie bestimmen, ob KI als Heilsversprechen, Bedrohung oder Werkzeug verstanden wird. Narrative Governance beschreibt genau diese Macht der Deutung, also die Fähigkeit, Wahrnehmung und Legitimität durch dominante Erzählungen zu strukturieren. Während Narrative unser Denken rahmen, befähigt AI Literacy dazu, diese Rahmen zu erkennen und reflektiert zu handeln. Lange Rede, kurzer Sinn: nutzt KI- und LLM-Tools, aber verlasst Euch nicht auf sie, bleibt kritisch, überarbeitet, bleibt einzigartig und konsistent.
Wie gelingt es Organisationen, KI als kreativen Partner zu nutzen, ohne den emotionalen Kern ihrer Kommunikation zu verlieren?
Indem sie Emotionen nicht simulieren lassen, sondern schützen. KI kann Vorschläge machen, aber sie spürt nicht, was auf dem Spiel steht. Der emotionale Kern entsteht aus echter Erfahrung, aus Konflikten, aus Konsequenzen. Wenn Organisationen klar definieren, wofür sie stehen und vor allem wogegen sie sich mit dem, was sie tun, positionieren, kann KI hervorragend dabei helfen, diese Haltung in eine erste Form zu bringen. Mensch und Maschine funktionieren dann wie ein gutes Duo. Einer denkt schnell, der andere fühlt (tief). Kern ist dabei immer, zunächst Menschen zusammenzubringen, und offen (siehe weiter oben 😉) miteinander in den Austausch zu gehen. Bei der Ausarbeitung des Kern-Narrativs, des so genannten North Star Narratives, kann dann gerne die KI hier und da unterstützen. Denn es gilt: was unten rauskommt ist nur so gut wie das, das man oben eingekippt hat und das kommt von Menschen.
Über Isabella
Isabella ist Geschichtenerzählerin, Geschichtenfinderin und Kommunikationswissenschaftlerin mit knapp 20 Jahren Berufserfahrung in PR & Kommunikation. Bei Berkeley Kommunikation war sie an einigen preisgekrönten bzw. für Awards nominierten Kampagnen beteiligt. Als Chief Storyteller Germany hält sie für die Berkeley Storytelling Academy unterschiedliche Storytelling Workshops und hilft Unternehmen, ihre Markenbotschaft überzeugender und einprägsamer zu erzählen. Ihre Spezialgebiete sind Brand Storytelling und Content Creation.
Der nächste Business-Storytelling-Grundkurs findet online am 26. Februar statt. Infos dazu hier.